Samstag, 23. Dezember 2017

Ist Trash erfolgreicher als Qualitatives?

Ich programmiere seit ungefähr 4 Jahren Android Apps. Angefangen habe ich mit 13 Jahren. Verständlicherweise habe ich in diesem Alter noch keine hochqualitativen Apps entwickelt, sondern vorwiegend "Trash"-Apps, wie ich sie heute nennen würde. Flachwitze-Apps, "Deine-Mudder"-Apps, usw. Allerdings war ich damals sehr erfolgreich mit diesen Apps. Zwar nicht gerade bei der Bewertung (die im Durchschnitt ungefähr bei 3 Sternen lag), aber bei den Downloadzahlen (2 Apps mit bis zu 500.000 Downloads).

Heute bin ich 18 Jahre alt und versuche natürlich jetzt ein bisschen seriöser an die Sache heranzugehen und wirklich nützliche Apps, wie z.B. meine neue Fitness-App, zu entwickeln. Ich versuche also Wert auf Qualität zu legen: Gutes Design, keine Bugs, Nutzerfreundlichkeit, SEO-Optimierung, usw. Ergebnis: In einem halben Jahr gerade einmal ~200 Downloads.

Doch was ist der Grund? Liegt es daran, dass ich mich mit Flachwitze-Apps besser identifizieren kann, im Gegensatz zu einer Fitness-App - zumal ich keinen Fitness betreibe? Schnell ist mir in den Sinn gekommen, dass Menschen oft den Anschein machen "Trash" der Qualität vorzuziehen. Stichwort: Vormittagsprogramm RTL. Frauentausch, Dschungelcamp und Konsorten. Menschen schauen sich lieber derartiges an, als sich beispielsweise durch tiefgründige Dokus weiterzubilden.

Außerdem: Es gibt mehr Leute, die sich eine Flachwitze-App herunterladen, als eine Fitness-App. Sicherlich wollen sich die meisten lieber mit einem lustigen Witz die Zeit vertreiben, als sich mit Fitness zu verausgaben. Ja, ich denke das ist ein plausibler Punkt.

Außerdem ist Konkurrenz auch ein wichtiger Punkt. Es gibt seit 2013 immer mehr Android-Apps im Google PlayStore und es wird dadurch immer schwieriger seine Apps sichtbar zu machen, d.h. dass Nutzer die App überhaupt erst einmal entdecken. Gerade der Bereich Fitness hat viele Konkurrenten-Apps, was den Aufstieg der eigenen App sehr schwierig macht.

Das Problem: Der Entwickler (ich) will Geld verdienen. Warum also mehr Zeit inverstieren, um qualitativere Apps zu schaffen, und dann auch noch weniger verdienen. Lieber entwickle ich in 2 Stunden eine billige App und verdiene damit 20€ im Monat, als eine Qualitäts-App in 30 Stunden, mit welcher ich dann mehr oder weniger NICHTS verdiene. Verständlich oder?

Ich sehe dieses Phänomen auch bei YouTubern. In den letzten Jahren hat sich diese Platform zu einer ziemlichen Goldgrube entwickelt. Wodurch verdient man dort das meiste Geld? Nicht etwa durch hochwertige 4K Naturdokus, sondern durch den gleichen Mist, den man im Fernsehen "Assi-TV" nennt. Ich brauche nur Namen wie Apored oder Katja Krasavice zu nennen und alle unter-20 jährigen wissen, wovon die Rede ist. Sex, "Pranks", Verschwörungen, soziale Grenzsituationen, Superlative in allen Bereichen.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich Firmen, welche Erfolg mit "qualitativen" Apps haben. Diese haben Angestellte für Marketing, Design, Programmierung, führen Beta-Tests und Werbekampagnen durch, usw. Vielleicht lohnt es sich einfach nicht für Privatpersonen auf Qualität zu setzen? Sondern eher auf Quantität und wenn man Glück hat, hat man Erfolg?

Ich weiß es nicht, ich werde auf jeden Fall weiter Apps programmieren und sehen, wohin ich damit noch gelangen werde. Vielleicht brauche ich einfach bessere Ideen. Ideen, die Nischen füllen. Apps nach denen die Nutzer jeden Tag suchen, aber auf kein zufriedenstellendes Ergebnis stoßen.

Oder ich werde wieder anfangen "Trash"-Apps zu veröffentlichen, um mal wieder so richtig Kohle zu machen. Was wenn es nichtmal mehr damit klappt? Soll man überhaupt etwas machen, nur um Geld zu verdienen? Zu viele Fragen für einen Entwickler, der alleine da steht. Wie bei YouTube. Dort gibt es ebenfalls immer weniger YouTuber, die alles alleine übernehmen. Hinter manchen Kanälen stecken ganze Firmen.

Aber ich werde mich davon nicht entmutigen lassen und werde weiterhin Apps programmieren. Ob erfolgreich oder nicht, man lernt dazu.